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„Wendische Land­gerichte“
Annett Bresan

Instanz, die vom Spätmittelalter bis ins 16. Jh. für die niedere und höhere Gerichtsbarkeit der sorbischen Bevölkerung innerhalb eines größeren gemischtethnischen Herrschaftsterritoriums zuständig war.

Die entsprechenden Bezirke sind auch unter dem Begriff „Wendische Pflege“ bekannt, abgeleitet vom Ausdruck „Gerichtspflege“. Sie sind in der Standesherrschaft Sorau/​heute: Żary (Polen), im Priebuser Kreis des Fürstentums Sagan/​heute: Żagań (Polen), im Markgraftum Oberlausitz, in den Ämtern Stolpen und Meißen, im Kurkreis (Herzogtum Sachsen-Wittenberg) und in der Herrschaft Zossen nachweisbar. Historisch belegt ist das Wendische Landgericht – der „Wendische Dingstuhl“ – in Göda bei Bautzen, das für über 20 sorbische Dörfer des bischöflich-meißnischen, später kurfürstlich-sächsischen Amtes Stolpen die Erb- und Obergerichtsbarkeit ausübte und wohl bis Anfang des 19. Jh. bestand. In Quellen wird für die Bautzener Ortenburg ebenfalls ein Wendisches Landgericht erwähnt.

Zu vermuten ist, dass in den Wendischen Landgerichten die Richter- und Schöffenämter mit sorbischsprachigen Männern besetzt waren und die Verhandlungen in Sorbisch geführt wurden. Allerdings wurden diese nicht schriftlich dokumentiert. Offenkundig verloren die „wendischen Gerichte“ – mit Ausnahme von Göda – infolge des Ausbaus der gutsherrschaftlichen Patrimonialgerichtsbarkeit sowie landesherrlicher Restriktionen schon im 16. Jh. an Bedeutung. Sorbische Richter-, Schöffen- und Zeugeneide aus dem 18. Jh. belegen jedoch den Gebrauch der sorbischen Sprache vor Gericht noch in späterer Zeit. Aus Göda z. B. ist ein Druck der sorbischen Gerichts-Eröffnungs- und Abschlussformeln von 1807 überliefert. Bei Verfahren deutscher Gerichte, in denen Sorben aussagen mussten, die die deutsche. Sprache nicht beherrschten, übersetzte ein vereidigter Dolmetscher („interpres“).

Lit.: P. Lieschke: Zur Geschichte des Ortes und der Parochie Göda bei Bautzen, Bautzen 1876; W. Boelcke: Bauer und Gutsherr in der Oberlausitz. Ein Beitrag zur Wirtschafts-, Sozial- und Rechtsgeschichte der ostelbischen Gutsherrschaft, Bautzen 1957; H. Schuster-Šewc: Sorbische Sprachdenkmäler, Bautzen 1967; F. Mětšk: Die Stellung der Sorben in der territorialen Verwaltungsgliederung des deutschen Feudalismus, Bautzen 1968.

Metadata

„Wendische Land­gerichte“
„Wendische Land­gerichte“
Bresan, Annett
Bresan, Annett
sudniska móc; wužiwanje rěče; přisaha; sudnik; přisydnik; swědk
sudniska móc; wužiwanje rěče; přisaha; sudnik; přisydnik; swědk

Instanca, kotraž běše wot pózdnjeho srjedźowěka hač do 16. lětstotka za niše a wyše sudnistwo serbskeho wobydlerstwa znutřka wjetšeho etnisce měšaneho knjejskeho teritorija zamołwita.

Instanca, kotraž běše wot pózdnjeho srjedźowěka hač do 16. lětstotka za niše a wyše sudnistwo serbskeho wobydlerstwa znutřka wjetšeho etnisce měšaneho knjejskeho teritorija zamołwita.

Zahrnuto v sbírce
Zahrnuto v sbírce
Im Sorabicon 1.0 zu finden unter
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